Die Pfarrkirche zu Laxenburg

I. Teil: Architekt Matthias Steinl - Baugeschichte

Artikel der Zeitschrift Kulturstein, Ausgabe Nr. 39, Dezember 1997, (c) Kulturverein Alt-Laxenburg
KircheDas Wahrzeichen Laxenburgs, inmitten des Marktes und gegenüber dem einst kaiserlichen Schloß, ist die barocke Pfarrkirche, deren vergoldetes Kreuz auf der Spitze des Turmes im ganzen Gemeindegebiet sichtbar, weit über Laxenburg hinaus strahlt. Dieses Gotteshaus ist ein Juwel unserer Heimat und gab manchem Historiker und Heimatkundler Anlaß, die Entstehung des prachtvollen Bauwerkes zu ergründen und seinen Architekten zu ermitteln. Die Vermutungen wurden weit gestreut, mancher Name genannt, doch der Beweis blieb aus oder er wurde zu einem Fragezeichen.

KircheÜberzeugende Argumente erforschte Dr. Leonore Pühringer (1916 - 1986) und wies den Weg zu Matthias Steinl (1966); Ihr folgte Dr. Hans Sedlmayr (1896 - 1984). Erst das im Juni 1997 aufgetauchte Blatt beweist, daß Matthias Steinl den Aufriß der Kirche gezeichnet hat. Die Zeichnung zeigt die Vorderansicht und trägt die Beschriftung: "Frontispicium Der Kay: Hoff=Pfarrkichen Zu Laxenburg" und die Signatur: "M. Steinl Jnv: et del:".

Matthias Steinl, 1643/1644 „von Salzburg gebürtig“, scheint der Sohn des Kunsttischlers Matthias Steinl (Steinle) in Mattsee zu sein. Der "ehrenveste und kunstreiche Matthias Steinle, Bilthauer" heiratet 1677 eine Bildhauerswitwe zu Liegnitz. Matthias Steinl kommt 1688 von Breslau nach Wien, wo er - wohl gefördert vom Breslauer Bischof Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, dem Schwager des Kaisers, kaiserlicher Kammerbeinstecher wird und dies bis zu seinem Lebensende bleibt. Matthias Steinl, der im Dorotheerhof in Wien seinen Wohnsitz hatte, großartige künstlerische Leistungen vollbrachte, starb "an Lungl-Defect und Alters halber", 83 Jahre alt, am 18. April 1727 und wurde bei St. Stephan begraben.

Wohl seit der Besiedelung vor etwa tausend Jahren, als der Fluß Schwechat Grenze des Reiches wurde und hier, westlich der Schwechat ein "festes Haus" und ein Dorf entstanden, gibt es in Laxenburg (früher Lachsendorf) ein Gotteshaus. Dieses, später auf erhöhtem Grund von einer Mauer wehrhaft umgeben, war die Kirche oft Anstürmen aus dem Osten ausgesetzt. Die alte Kirche war zuletzt sicherlich gotisch und wie eine Ansicht zeigt, mit einem spitzen Turm. Beim Türkenkrieg 1683 arg in Mitleidenschaft gezogen, wird von ihr nur der heutige Umfang des Chores (Hauptaltarraumes) geblieben sein. Der Markt Laxenburg bestand zu jener Zeit aus über 20 Bürgerhäusern und aus den zum Schloß gehörenden Gebäuden mit einer dementsprechenden Einwohnerzahl, die sich bei Anwesenheit des kaiserlichen Hofes wesentlich vermehrte.

Vom alten Gotteshaus blieb an der Nordseite der Außenwand das Steinrelief einer Ölbergdarstellung aus dem 16. Jahrhundert und nächst dem Eingang zur Sakristei der Grabstein aus rotem Marmor des kais. Schloßkaplans und Pfarrers Andreas Hauer, gestorben am 13.März 1649. Offenbar wurde mit dem Schutt der abgerissenen alten Kirche eine Fläche beim seinerzeitigen Jesuitenkloster (Johannesplatz) angeführt, da bei Grabarbeiten während meiner Amtszeit dort der Grabstein, ebenfalls aus rotem Marmor, des Hanns Christoff Fux, gestorben am 13. September 1609, gefunden wurde.

1683 - 1699 war die Zeit der erfolgreichen Beendigung des zweiten großen Türkenkrieges, die Türken waren von Wien weit zurückgedrängt, es folgte Sieg auf Sieg: 1685 Neuhäusl, dann Ofen, Siebenbürgen und Ostungarn, hernach Stuhlweißenburg und Belgrad, 1691 Slankamen und unter Prinz Eugen 1697 Zenta. Der Friede von Karlowatz 1699 beschloß das furchtbare Ringen. Die Erbmonarchie der Habsburger entsteht und Wien wird glanzvolle Residenz und Reichshauptstadt der europäischen Großmacht Österreich. In dieser frohen Stimmung, glücklichen Zeiten entgegenzugehen, entsteht die barocke Pfarrkirche von Laxenburg.

Joseph Haller, aus Tirol gebürtig, wird im Feber 1691 als Pfarrer von Laxenburg installiert und zum Schloßkaplan bestellt. Auf sein "mehrmallig=demuethiges anlangen" kommt es 1692 zur "allergnädigsten Kayserl. Anschaffung Zue ney erpauung vnd erWeitherung derselben PfaffKirchen Zue Laxenburg".

Matthias Steinl genoß bereits beim kaiserlichen Hof durch seine frühen Meisterwerke als Elfenbeinschnitzer des Kaisers mit der Herstellung der beiden großen Reiterstatuetten Leopold I. und Josephs (signiert: "M. Steinl 1693") besonderes Ansehen. Mit diesen wird ausgedrückt, wie der Kaiser und der zukünftige Kaiser über die Türken triumphieren. Sie symbolisieren die Niederwerfung der Feinde Österreichs und des Reichs durch göttliche Hilfe, an welche Leopold „wie an eine Offenbarung“ glaubte. Der heroische Ton, den diese Reiterstandbilder Steinls anschlagen, entspricht der Hochstimmung des Jahres 1690. Der Glaube Leopolds an die geschichtliche Sendung seines Hauses und an das wunderbare Walten Gottes sind der mystische Oberton. 1690 erhält Steinl den Auftrag für die Statuetten, die diese Gesinnung ausdrücken und drei Jahre später fertiggestellt sind. 1693 tritt Steinl unvermutet als Architekt auf, um die gleiche Gesinnung und Stimmung mit dem Bau der Laxenburger Hofkirche auszudrücken. Er entwirft den vom Kaiser geförderten Kirchenbau.

Von Matthias Steinl sind Architekturarbeiten an der Dorotheerkirche in Wien, Stiftskirche Zwettl (Turm), Maria Lanzendorf, Dürnstein, Stixneusiedl, Höflein, Krems und Karmelitinnenkirche in St. Pölten bekannt.

KircheKaiser Leopold I. nahm persönlich am 11. Juni 1693 die Grundsteinlegung für die neue, von ihm geförderte Hofpfarrkirche vor. Der Kaiser weilte in jenem Jahr schon länger in Laxenburg, denn von hier schrieb er an Papst Innozenz XII. und ernannte hier am 25. Mai Prinz Eugen von Savoyen zum Feldmarschall. Bauherr und Betreiber des Kirchenbaues war der damalige Pfarrer und kaiserl. Schloßkaplan Joseph Haller. "Zu Erbauung der breiteren und umfangreicheren Kirche wird ein Theil der alten Mauer benützt". Die Bauarbeiten haben "Anno Christi 1693 nach dem Fest der allerheil: Dreyfaltigkeit ihren Anfang genohmen". Christian Alexander Oedtl hat die Bauleitung für das Projekt.

Am 1. September 1696 bittet "H. Joseph Haller Pfarrer Zu Laxenburg Sambt Seiner anvertrauten PfarrKindern Vnterthänigst (den Kaiser) Vmb Einen ferneren Beytrag Zu dem Kirchenbau alda". Da nach dreijähriger Bauarbeit das "Kirchengebey soweith gebracht worden, daß Neben denen Oratorien, und Gwölb in Chor schon vor einem Jahr aniezo auch daß Völlige Inwendige HaubtGesimbs glückhlich auffgeführt worden, daß also nichtsmehrers Vonöthen wehre, alß daß daß selbige schon mit so grossen Vnkhosten auffgeführte Werkh beyleffig bey Zechentaußendt Guldten, in Kürze mit einen Ziegldach conseruiret undt bedeckhet würde, ich aber Zu demselbigen nit souil in Kürze nit auffzukhumben wisse". Der Kaiser half durch die Hofkammer bis 1698 mit 3000 Gulden; die Corporis Christi-Bruderschaft stellte ein Darlehen von 1000 Gulden zur Verfügung.

1699, am 15. Jänner, stirbt zu Wien Dr. Johann Baptist Mair, Edler v. Mairsfeldt, Dompropst zu St. Stephan in Wien, vorher Generalvikar und Offizial des Bistums, Rektor der Wiener Universität, 1664 Pfarrer von Laxenburg, und wird unter dem Hochaltar der Pfarrkirche Laxenburg bestattet.

Die neue Kirche wird vier Monate darnach, am 31. Mai 1699, von Ernest Grafen v. Trautson (1633 - 1702), seit 1685 Bischof von Wien, geweiht. In einem Schreiben bittet Pfarrer Joseph Haller den Kaiser zur Einweihung und fügt hinzu, Seine Majestät möge sehen, daß die Kirche noch keinen Turm hat.

1701 schreibt Schloßhauptmann Johann Jacob Matz v. Spiegelfeld der kaiserl. Hofkammer nach Wien: "Und weillen der Pfarrer alles waß er hehabt hatt, und künfftig haben wird, mit größtem Eyffer und Lieb in daß Kirchengebäu anwendet; die Gemaindte auch mit ihren Fuhrwerken daß übrige treulich gethan hatt, Und noch zu thuen Vrbiettig ist ..."

Die Erbauung des Turmes war tatsächlich die letzte große Bauarbeit, sie wurde zur Krönung des gesamten Werkes. Am 4. Oktober 1712 wurde das Kreuz auf die Turmspitze gesetzt. Dies sollte Pfarrer Joseph Haller noch erleben. Der Pfarrer, der sich um den Kirchenbau sehr sorgte und erfolgreich bemühte, starb im Rufe eines frommen Mannes als Opfer der Liebe an der Pest, 58 Jahre alt, am 9. Oktober 1713 und wurde vor dem Hochaltar, unter der Lampe des ewigen Lichtes bestattet.

Wenige Tage darauf, am 22. Oktober 1713, verstarb ebenfalls an der Pest, der Maler der großartigen Fresken, der Franziskanerfrater Adam Obermüller, 40 Jahre alt.

Marcus Cante aus der Krain wird 1714 Hallers Nachfolger; doch dieser stirbt nach zweijährigem Wirken als Pfarrer, 34 Jahre alt und wird in der Kirche bestattet. Ihm folgt 1716 Petrus Svanuth, ebenfalls aus der Krain, der 21 Jahre lang Pfarrer ist und mit 74 Jahren 1737 stirbt.

1719 verrechnet der Hofstukkateur Hieronymus Alphiri (Alfieri) "für die Oberhalb der Haubtgesimbs Zweyen Capitelln und auf denen Lesenen nöthig gehabte Stuckhador Arbeit".

1722 wird die Schneckenstiege zum Chor vom Himberger Maurermeister Pongraz Reichel errichtet.

Ein Sturmwind warf am 28. November 1724, 11 Uhr nachts, das Dach des Turmes ab. Unter Herrschaftsverwalter Franz Burglon und Marktrichter Caspar Toifl erfolgt die Restaurierung. Eichenholz wird vom Heiligenkreuzer Wald verwendet. Von einem Kupferschmied zu Möllersdorf wird "Kupfer zum Kürchen Thurm" bezogen und ein Wiener Kupferschmied nimmt die "Bedeckhung deß Thurmes" vor. Damals erlitten auch Dach und Fenster der Kirche Sturmschäden. Der 1724 "umbgeworffene Thurm" hatte eine Uhr, deren Zeiger verletzt wurden und 1725 "widerumb gemacht werden".

1725 stellt der kaiserl. Hofmaler Johann Franz Hörl seine Arbeit in Rechnung.

KircheMit Pfarrer Joseph Haller, Marktrichter Andreas Toifl (1639 - 1708), der sich nach 1683 um den Wiederaufbau Laxenburgs bemühte, Marktrichter Corbinian Peter(1641 - 1715) und (seit 1687) Schloßhauptmann Johann Jacob Metz v. Spiegelfeld wirkt die Bevölkerung bei der Errichtung ihrer neuen Kirche tatkräftig mit. Wohl alle Laxenburger Handwerker sind am Kirchenbau beschäftigt. "Alle Kirchenstiell" macht 1718 der Laxenburger Tischlermeister Leopold Pladtner. Die Hufschmiedemeister Corbinian Peter (Marktrichter) und Hanß Georg Sickh führen Arbeiten (bis 1715, bzw. 1722) aus. Conrath Grienauer verfertigt 1724 den "Beichtstuell". Fuhrwerksleistungen erbringen 1722 die Laxenburger Bürger Georg Ziegenheimb, Caspar Toiffl, Peter Pruckhner, Ambrosi Hainzmann, Leopold Pladtner, Mathias Handl, Anna Drentlin, Georg Wöschhauser, Georg Eywo, Stephann Kattmillner, Mathias Felber, Andere Rohl, Petter Steighoffer, Hannß Steighoffer, Georg Doiffl, Joseph Pruckhner, Hannß Nowackh, Michael Sell und Marx Dorn. (Von einigen der genannten Bürger sind heute noch Nachkommen in Laxenburg).

Mauerziegel kommen aus Mödling, Thallern und Vösendorf, Steine aus Rauchenwarth und Loretto, Sand aus der "Möllerstorffer Au".

Mehrere Steinmetze finden Arbeit, so aus Deutsch-Altenburg, Kaisersteinbruch, Loretto und Wiener Neustadt, (darunter auch Johann Pacassi).

Die Kirchenbauarbeiten werden 1738 mit dem Kirchentor abgeschlossen.

Damals wird Johann Bonifaz Cato, ein Sachse, Pfarrer (bis 1750).

Die neue Laxenburger Kirche ist ein Zentralraum. Ihre Mitte überwölbt eine Flachkuppel, der sich vier Halbkuppen anchließen und eine Kreuzform bilden. Die Kuppel ist leicht längsoval. Pilaster tragen ein den ganzen Kirchenraum umlaufendes Gebälk. Die Architektur der Fassade ist mit seinen Schwingungen von plastischer Kraft. Oberhalb des Haupteinganges steht in einer Nische die Steinstatue des auferstandenen Heilands. Von Kunsthistorikern wird die Kirche mit ihrer konkav-konvex-konkav schwingenden Fassade hervorgehoben und für die Residenz- und Reichshauptstadt Wien als ein erstaunlich "modernes" Werk ihrer Zeit bezeichnet. Es ist eben der erste hochbarocke Kirchenbau im Wiener Raum, dessen "edler Styl" und "wohlgebauter Thurm" gepriesen werden. Die Wiener Karlskirche wird 1716 - 1733 erbaut und zwar nach dem Entwurf von Johann Bernhard Fischer v. Erlach. Dieser hat zu Laxenburg besondere Beziehungen, denn von ihm scheint der Grundriß des Grünen Hauses zu stammen. Fischer v. Erlach kannte wohl den Laxenburger Kirchenbau, was auch dazu beigetragen haben wird, daß Laxenburger Bürger mit Fuhrwerksleistungen beim Bau der Karlskirche mittätig sind.

Die an der Vorderfront der Laxenburger Pfarrkirche in der Höhe des Turmansatzes über die Häuser Laxenburgs blickenden Steinstatuen stellen Helena und Heraklios dar. Diese beiden historischen Persönlichkeiten sind eng mit der Kreuzerhöhung, der unsere Kirche geweiht ist, verbunden. Die hl. Helena, Mutter des Kaisers Konstantin des Großen (274 - 337), der 326 die Höhle des Hl. Grabes aufdecken ließ, wallfahrte ins heilige Land, wo sie das heilige Kreuz auffand und in Jerusalem die Kirche zum Hl. Grab erbauen ließ. Heraklios (575 - 641), oströmischer Kaiser, hat bei seinen siegreichen Feldzügen im Innern Persiens nach 628 das vom persischen König Chosroes 616 in Jerusalem erbeutete Kreuz Christi zurückerhalten und auf der Schädelstätte aufrichten lassen (daher "Kreuzerhöhung", 14. September). Die beiden Steinstatuen wird der Wiener Bildhauer Bliem (1722) geschaffen haben. 1732 ist der Wiener Bildhauer Jacob Vogl beschäftigt.

Die letzte Anschaffung ist 1738: "Aichene Pfosten Läden zu der grossen Kirchen Thür", die auf ihrem Beschlag in Augenhöhe die Jahreszahl 1738 eingestanzt hat.

"Die eingefahlnen Gräber in der Kirche" werden 1732 zugepflastert und jene auf dem inneren Friedhof (im Kirchenhof) 1744 angeschüttet. Der neue Friedhof wird 1713 an der Wiener Straße angelegt und inmitten die "Unserer Lieben Frau" gewidmete Kirche errichtet; 1788 aufgelassen (heute Rauchhof).

Die gesamten Baukosten für die neue barocke Pfarrkirche sind nicht bekannt. Ein in rotem Damast gebundenes Buch hält die Namen der Spender, Stiftsbriefe und Zahlungen fest: Kaiser und Kaiserin, Erzherzoginnen Elisabetha, Magdalena und Carolina, "Ihro König. Hoheit auß Portugall", Fürst Schwarzenberg, Fürstin Auersperg, Grafen Schönborn, Sinzendorf, Althaimb, Mazeringo, Gräfinnen Schlick, Kollowath, Kinßky, Felß, Paar, Kaiserl. Hofstaat, Kaiserl. Minister und durch wiederholte Sammlungen bei hohen Herrschaften.

Als die Pfarrkirche gebaut wurde, war dieser damals noch nicht das kaiserliche Schloß gegenüber, sondern der alte Blaue Hof, ein Edelsitz, der nach Sebastian Bloe v. Ploenstein seinen Namen hat und zur Zeit des Türkenkrieges 1683 im Besitz des Obersten Falkenmeisters Gottfried Freiherrn. v. Eibeswald war und ab 1715 dem Reichsvizekanzler Friedrich Carl. v. Schönborn gehörte, der diesen wohl durch seinen Hofarchitekten Johann Lucas v. Hildebrandt umgestalten läßt. Nach dem Erwerb des Blauen Hofes durch Kaiserin Maria Theresia 1756 von Leopold Grafen Daun wird die Anlage vom Hofarchitekten Nikolaus v. Pacassi umgebaut und erhielt das heutige Aussehen.

Kaiserin Maria Theresia nahm 1760 von einem Fenster des Kirchenoratoriums den baufälligen Pfarrhof in Augenschein, welcher dann unter Pfarrer Franz Joseph Moritz 1760 nach dem Plan von Matthias Gerl neu erbaut worden ist.

KircheDas Kirchweihfest wird, wie auch bei der vorherigen Kirche, am Sonntag nach Kreuzerhöhung, 14. September, begangen und am darauffolgenden Montag der öffentliche Markt gehalten.

Ein Brand in der Nachbarschaft 1818 veränderte das Innere der Kirche, die damals rußgeschwärzt, mit finanzieller Hilfe von Kaiser Franz I. ausgeweißnet und dadurch die Fresken übertüncht worden sind. Diese wurden 1931/32 unter Pfarrer Heinrich Ott wieder freigelegt. Eine Orgel wird bereits 1718 erwähnt.

Die von J. B. Straub geschaffene prachtvolle Rokokokanzel kommt 1785 nach Laxenburg.

Die Einrichtung der Pfarrkirche könnte in einer gesonderten Abhandlung dargelegt werden.

Die Musik-Chorvergrößerung wurde von Friedrich Rauch 1856 baulich ausgeführt.

Die letzte bauliche Ergänzung war die vor der Kirche unter Pfarrer Anton Steiner 1897/1899 errichtete Terrasse mit den Steinstatuen der vier Evangelisten von Julius Trautzl.

Die im Kirchenseitenhof (zum kaiserl. Oratorium) abgestellt gewesenen zwei barocken Steinstatuen, die sich früher beiderseits des Kirchenhaupteinganges befunden haben, sind unter Pfarrer Msgr. Karl Dintner (der gut gelungene Renovierungen der Pfarrkirche durchführen ließ) und mit dessen Einverständnis auf meine Veranlassung beim Bau des neuen Einfahrtstores zum Pfarrhof, Herzog Albrecht-Straße, auf die beiden Torpfeiler gesetzt worden (genau zueinander schauend wie auf der jetzt zutagegekommenen Zeichnung von Matthias Steinl).

KircheDas oberhalb dem Fenster des Oratoriums über der Sakristei in der Kirche 1931 wiederentdeckte Fresko zeigt eine Abbildung der neuen Kirche, getreu der Darstellung Matthias Steinls, gebettet in der Laxenburger Ebene, im Hintergrund den Anninger und links einen Baumbestand, in der Mitte den guten Hirten mit seiner Herde. Darüber ein, seine Flügel ausbreitender Adler ist symbolhaft für Gottes und des Kaisers Schutz. Dieses Fresko bestätigt nun auch die Ausführung des Baues der Kirche nach dem Entwurf von Matthias Steinl, da die Übereinstimmung sichtbar gegeben ist. Nur der Turm erscheint anders, da dieser erst 1712 errichtet und 1725 neu hergestellt worden ist.

Seit mehr als 50 Jahren habe ich mich bemüht, zu klären, wer den Entwurf für unsere schöne und ehrwürdige Pfarrkirche gemacht hat. Bereits 1947 und 1951 habe ich Abhandlungen über die Geschichte der Pfarrkirche publiziert und 1962 - 1965 Dr. Leonore Pühringer (-Zwanowetz) bei ihren Studien für das Buch "Matthias Steinl" unterstützt. Dr. Pühringer ist in ihrem, 1966 erschienenen Buch überzeugt, daß Matthias Steinl der Architekt unserer Pfarrkirche ist, doch es bedurfte noch eines schriftlichen Beweises. Dr. Pühringer schreibt am 17. März 1963 an mich: "Neues zur Baugeschichte habe ich bis jetzt nicht mehr gefunden, ich habe mich aber sehr ausführlich mit der Einordnung dieses in jeder Hinsicht hochinteressanten Baues in das Werk Steinls befaßt", weiters, daß sie "die stille Hoffnung hege", daß ich bei meinen "beharrlichen Forschungen vielleicht noch etwas zu Tage bringen könnte, was hier weiterhilft."

Das ist nun gelungen, dank des wichtigen Erwerbes jenes Blattes durch Herrn Peter Poloma am 13. Juni 1997, das ich sogleich sehen durfte und dabei mit Begeisterung die Signatur feststellte. Deshalb erfolgt auch hier die erste Publikation, mit der die Laxenburgerinnen und Laxenburger erfahren, wer nachgewiesenermaßen, der Architekt unserer einmaligen Pfarrkirche ist, auf die wir berechtigt stolz sein dürfen.

Das vergoldete Kreuz auf der Turmspitze unserer dreihundert Jahre alten, ehrwürdigen Pfarrkirche möge weiterhin leuchten über den Goldenen Markt zum Schutz, zur Geborgenheit und Freude der - wie es auf der in der Kugel unterhalb des Kreuzes befindlichen Schrift von 1726 heißt - "gottesfürchtigen und frommen", heimatbewußten und heimatliebenden Laxenburgerinnen und Laxenburger.

II. Teil: Heiligtum und Kulturgut - Ein Stück Pfarrgeschichte

Artikel der Zeitschrift Kulturstein, Ausgabe Nr. 40, Februat 1998, (c) Kulturverein Alt-Laxenburg

"Die Pfarrkirche zu Laxenburg" in der Ausgabe Nr. 39, Dezember 1997, unserer Zeitschrift Kulturstein erweckte in Laxenburg und österreichweit, auch darüber hinaus, lebhaftes Interesse, ist es doch gelungen, für die vor 300 Jahren erbaute Kirche Matthias Steinl (1643/44 - 1727) als Architekten nachzuweisen. Namhafte und erstrangige Kunsthistoriker, wie Hans Sedlmayr, Hermann Bauer und Giovanna Curcio, Rupert Feuchtmüller, Günter Brucher und Günther Berger, pflichten Leonore Pühringer (-Zwanowetz) (1916 - 1986) bei, daß der Bau der Pfarrkirche von Laxenburg ein Werk von Matthias Steinl ist - was eben jetzt belegt werden konnte.

Nach der Schilderung der Baugeschichte wird das Innere der Kirche mit ihrer Ausstattung beschrieben und Hinweise zur Pfarrgeschichte gegeben.

KircheBetritt man von dem ein schönes Ortsbild präsentierenden, seit jeher unberührt gebliebenen großräumigen Schloßplatz, der von der majestätisch wirkenden Pfarrkirche, dem Rathaus und den Bürgerhäusern auf der einen Seite und der kaiserlichen Schloßanlage, dem Blauen Hof, mit dem Eingang zum Schloßpark auf der anderen Seite umsäumt wird, die Stiegen, die zum erhöhten Vorplatz und in die Kirche führen, so ist man von Ehrfurcht und beginnender Erbauung überwältigt. Beim Eintreten in das Gotteshaus fällt der Blick sogleich auf den Hochaltar im hellen, freundlich gestalteten Kirchenraum, auf die herrliche Kanzel, den siegreichen Heiland, auf die beiden Seitenaltäre, die imposanten Gemälde und den inmitten befindlichen Luster. Der Blick gleitet hinauf zur Kuppel und den vielen, die Decke schmückenden Fresken; man fühlt sich vom Hochbarock in den "Himmel" versetzt, in ein Gotteshaus, in dem man Gott besonders nahe ist.

Die Pfarrkirche ist ein Zentralbau. Der Hauptraum, der im Grundriß als längsgerichteter Vierpaß erscheint, ist in der Mitte von einer tambourlosen Flachkuppel überwölbt. Die Kuppel ist nicht kreisförmig, sondern ganz leicht längsoval (10m x 9,55m). In der Wandgestaltung des Inneren dominiert das ohne Unterbrechung den ganzen Kirchenraum umlaufende Gebälk, das sich über den tragenden Pilastern durchgehend verkröpft und sinnfällig zur plastisch-räumlichen Einheit wird. Sein kraftvoll und fein gezeichnetes Profil mit dem stark betonten Wulst entspricht den Profilen Steinl'scher Altäre.

Im vielteiligen Freskenzyklus des Innenraumes, der durch ein einheitliches Kuppelfresko beherrscht und durch vier große Stuckgruppen am Kuppelrand ergänzt wird, weitet sich diese Kreuzesikonologie zu einer umfangreichen, von vielen Inschriften begleiteten Darstellung des Heilsplanes aus, die vom Sündenfall bis zum Himmlischen Jerusalem reicht. (Leonore Pühringer)

Der Franziskanerfrater Adam Obermüller (1673 - 1713) arbeitete an den Fresken, der Hofstukkateur Girolamo Hieronymus Alfieri (1654 - 1740) führte die Stuckplastik aus.

Der marmorne Hauptaltar, der jüngst erhöht worden ist, hat unter einem von Säulen getragenen Baldachin einen ebenfalls erst bei der letzten Restaurierung dorthin gelangten Tabernakel und beiderseits zwei vergoldete anbetende Engel. Das vor einer, von einem breiten Rahmen eingefaßten dunklen Fläche aufgerichtete Kruzifix, dessen überlebensgroßer Korpus vergoldet ist, stellt die Kreuzerhöhung dar, welcher die Kirche geweiht ist.
Beiderseits befanden sich von 1840 an, 90 Jahre lang, zwei lebensgroße, vergoldete Statuen der hl. Maria und des hl. Johannes vom Bildhauer Anton Stücker, Wien. An ihrer Stelle sind jetzt hochgestreckte Wandleuchten.

Das barocke schmiedeeiserne Kommuniongitter kam 1931 von der Karlskirche in Wien (an die Stelle eines 1892 errichteten Gußeisengitters).

Die beiden Gemälde links und rechts im Hochaltarraum "Flucht nach Ägypten" und "Tod des hl. Josef" (nach Carlo Maratta, 1625 - 1713) erhielt die Pfarrkirche auf Ersuchen von Pfarrer Heinrich Ott 1929 aus Bundesbesitz.

Die auf dem Tabernakel stehende Madonna ist die Altöttinger Muttergottes, eine sehr alte Holzstatue, die von Msgr. Karl Dintner 1947 im Gebäude der Kirche aufgefunden und zur Verehrung auf den Hochaltar kam, weshalb damals der Baldachin erhöht worden ist. Die dritte Gemahlin Kaiser Leopolds I. (1640 - 1705), der den Grundstein zur Kirche legte, Kaiserin Eleonora Magdalena, Prinzessin von Pfalz-Neuburg (1655 - 1720) nahm oft den Weg von Neuburg an der Donau über den von ihr gerne aufgesuchten Wallfahrtsort Altötting nach Wien bzw. nach Laxenburg, wo sich die Kaiserin mit Vorliebe aufhielt und auch den Kirchenbau gefördert hat. Die fromme Monarchin wird wohl nach dem Türkenkrieg die Statue der Altöttinger Muttergottes hierher gebracht haben.

KircheDas Prunkstück der Kirche ist die Kanzel, die Johann Baptist Straub (1704 - 1784) 1728/31 geschaffen hat. Sie war in der Schwarzspanierkirche, wurde dort 1779 entfernt und von Pfarrer Joseph Dreyer um 120 Gulden erworben und hier aufgerichtet. 1886 hat sie der Wiener Vergolder Alois Mayer neu vergoldet. Diese wunderschöne Kanzel paßt auch größenmaßstäblich ausgezeichnet hierher; sie ist etwa 8 m hoch und 3,50 m breit. Die theologisch sinnvoll ineinandergeführten Darstellungen an der Kanzel werden wohl vom Prälaten des Schwarzspanierklosters Anton Vogl v. Krallern ersonnen sein. Sehr eindrucksvoll ist der figürliche Hauptschuck: in lebhafter Gestik sind die zwei sitzenden Patriarchengestalten, die Propheten Jesaias (links) und Jeremias (rechts). Zwei Engelkinder mit dreitürigen und dreifenstrigen Tempel, die Kirche symbolisierend, weisen auf die Dreifaltigkeit hin. Der Engel mit dem Schwert ist jener des göttlichen Gerichts. Auf dem Schalldeckel als Bekrönungsfigur Johannes der Evangelist, darüber das Auge Gottes, umgeben von einem Strahlenkranz mit Engelkindern und Engelköpfen.

An der Decke der Kirche, mitten über dem Kommuniongitter ist ein kreisrundes Loch, von Wolken aus Stuck umrahmt, das früher einer Art Mysterienspiel diente. Zu Pfingsten wurde eine hölzerne Taube (mit Strahlenkranz) an einem Strick herabgelassen und zu Christ Himmelfahrt die Statue des auferstandenen Heilands (die heute von Ostern ab am Altar steht) aufgezogen.

Neben der Kanzel ein Ölgemälde, den hl. Donatus darstellend. Der hl. Donatus war Römer und Befehlshaber der Leibwache des Kaisers Marc Aurel; wurde als Christ verfolgt und enthauptet. Seine Reliquien wurden 1649 in den Katakomben von Rom gefunden und von den Jesuiten 1652 in das Bistum Trier übertragen; eine Reliquie (dat. 1768) kam nach Laxenburg. Der Heilige ist Schutzpatron gegen Blitz und Ungewitter. Auf dem halben Weg nach Wien steht an der Inzersdorfer Gemeindegrenze eine Steinstatue des hl. Donatus.

Der linke Seitenaltar hat als Altarbild die Geburt des Heilands, gemalt 1773 von Ludwig Kohl (1746 - 1821). Kaiserin Maria Theresia kaufte dieses Werk. Es ist wohl das schönste Weihnachtsbild in Laxenburg. Die auf dem Altar stehende Marienstatue (Maria Lourd) spendeten 1887 die Damen des Hofstaates der Kronprinzessin in Laxenburg.

Unter dem Bild des hl. Donatus befindet sich das Taufbecken, vom Italiener Bareti im Auftrage des kaiserl. Rates und Schloßhauptmannes von Laxenburg, Franz Schücht, des Nachfolgers von Schloßhauptmann Michael Riedl v. Leuenstern, aus Marmor geschaffen und in der Karwoche 1850 aufgestellt. Bareti arbeitete damals an den Hofgebäuden in Laxenburg. Auch die Mensa des Hochaltars wurde mit dem gleichen Marmor ausgebessert. Das Taufbecken stand ursprünglich an der rechten Seite unter dem Emausbild; dort wurde ich im Juni 1918 vom letzten Schloßkaplan getauft.

Viele bedeutende Söhne Laxenburgs wurden hier getauft, so 1889 Josef Hawala, der Propst der Votivkirche und 1903 Eduard Hartmann, der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft und Landeshauptmann von Niederösterreich geworden sind.

KircheDen rechten Seitenaltar ziert das Liebfrauenbild Maria mit dem Kinde. An ihm arbeiteten fünf Maler: Maria mit Kind - Gerarde Seghers (1591 - 1651, Antwerpen); die Blumen - Johann de Heim (Heem); die Waffen - Paulo de Vos; der Grund - Cornelius de Vos; die Schlacht - Dawidt Teniers. Das Gemälde hat Erzherzog Leopold Wilhelm (1614 - 1662), Oberbefehlshaber über die kaiserl. Armee im 30jährigen Krieg, 1646 - 1656 Statthalter in den Niederlanden, wobei ihm (der nachmalige Bischof) Jodok Höphffner als Rat und Kanzler in Brüssel zur Seite war, erworben. Seine Gemäldesammlung bildet den Kernstock des heutigen Kunsthistorischen Museums in Wien bildet. Von der kaiserl. Galerie in der Stallburg kam das Gemälde ins Schloß Belvedere und von dort nach Laxenburg. Es wurde hier 1845 von Friedrich Walzer restauriert.

Auf dem Altar steht die Herz Jesu - Statue, gespendet 1887 von Kronprinzessin Stephanie. An diesem Altar ereignete sich 1901 ein Wunder, als eine betagte Frau namens Wendl ihren seit langem kranken, gekrümmten, steifen Arm darauf legte, sodann ausstrecken konnte, beweglich blieb und genesen war.

Bei diesem Altar wurde bis vor dem zweiten Weltkrieg das Heilige Grab errichtet, wobei der Altar mit schwarzen Tüchern verhangen und die Statue des bestatteten Heilandes unter den Altar gelegt wurde; die Schloßgärtnerei schmückte beiderseits das Heilige Grab mit hohen Palmen und zahlreichen Blattpflanzen.

Links vom Altar befindet sich das Ölgemälde Christus mit den Jüngern in Emaus (265 x 137 cm) von Pieter Joseph Verhaghen (1720/1728 Aerschot - 1811), Hofmaler der Kaiserin Maria Theresia. Das in Rom 1772 gemalte Bild überreichte der Künstler der Kaiserin bei seiner Ankunft in Wien, wo er 1773 aus Rom eintraf. Das Bild kam damals in die Hofburgkapelle in Wien und auf Befehl der Kaiserin in die Laxenburger Pfarrkirche.

Die Kreuzwegbilder wurden nach der Spende einer unbekannten Frau 1863 vom akadem. Maler Josef Kastner in Wien angekauft. Fünf Jahre danach (1868) wurde von ihm auch das Ölgemälde Christus am Ölberg erworben.

Vor dem Kommuniongitter rechts ist die Gruppe des triumphierenden Heilands, unterlebensgroß, geschaffen 1837 aus Carraramarmor von Michael Nußbaumer, einem Schüler von Antonio Canova (1757 - 1822), in Rom. Die Gruppe wurde Kaiser Franz I. in Rom vom Meister gezeigt und vom Monarchen um 2000 Gulden erworben. Sie kam in der Schloßkapelle des Alten Schlosses zur Aufstellung und gelangte unter Pfarrer Heinrich Ott in die Pfarrkirche. An ihrer Stelle war ein Theresienaltar, der sich heute in der Seitenkapelle im rechten rückwärtigen Teil der Kirche befindet.

In der Kirche gab es auch ein Gemälde des hl. Torrelius, gemalt von Johann Karl Auerbach 1767, der für Kinder und um glückliche Geburt angerufen wird. Über den Verbleib dieses Bildes ist nichts bekannt.

Die Statue des hl. Antonius wurde 1897 von der Kunsthandlung J. Heindl in Wien gespendet und vom k.k. Hofkaplan Msgr. Dr. A. Fischer-Colbrie, dem Lehrer der Kronprinzentochter, Erzherzogin Elisabeth Marie, geweiht. Ein Jahr danach (1898) wurde die Statue des hl. Josef von einem Unbekannten gespendet und vom Superior der Jesuiten geweiht.

Die Kirchenbänke wurden 1718 hergestellt; der Beichtstuhl 1724, den unter Pfarrer Msgr. Karl Dintner der Laxenburger Tischlermeister Friedrich Hartl stilgerecht und mit großartiger Furnierarbeit mit zwei Türen versehen hat. Friedrich Hartl erneuerte auch das große Kreuz des Hochaltars und restaurierte die Kirchenbänke.

Die Vergrößerung des bis dahin sehr kleinen und schmalen Musikchors hat 1856/57 der Zimmer- und Werkbaumeister Friedrich Rauch (1813 - 1884), mein Urgroßvater, harmonisch zum Stil des Kirchenraumes durchgeführt.

Die Orgel wurde von Franz Ullmann, Wien, gebaut, und 1864 aufgestellt, 1902 gereinigt und 1934 von Sohn Josef Ullmann repariert.

Der Schulmeister Alois Hierz, der auch die Orgel spielte, komponierte eine Messe, die alljährlich zum Kirchweihfest aufgeführt wurde (seine Grabstätte befindet sich auf dem Laxenburger Friedhof).

Ein Blick in die Pfarrgeschichte:

Laxenburg (Lachsendorf, Lassindorf) wird 1306 als landesfürstliches Lehen genannt. Den Namen eines Pfarrers erfahren wir erstmals 1365: Degenhart.

Herzog Albrecht III. verlieh Lachsendorf 1388 das Marktrecht und fürstliche Freiung. Laxenburg war bis 1918 "Kaiserlicher Markt" und "Landesfürstliche Pfarre".

Seit dem 14. Jahrhundert bis zu Pfarrer Geistl. Rat Herwig Fassler sind rund 50 Pfarrherrn namentlich bekannt.

Die wertvollste Quelle zur Personen- und Familiengeschichte, die Pfarrmatriken (Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher) wurden nach dem Türkenkrieg 1683 (da die älteren leider verlorengingen) neu angelegt und werden seither geführt.

Die Pfarre hatte eine eigene Herrschaft, die Pfarrherrschaft Laxenburg. Sie hatte (1709) dienstbare Häuser und Grundstücke in Guntramsdorf (24 Häuser), Inzersdorf, Laxenburg, Münchendorf, Möllersdorf, Mödling, Neudorf (3 Häuser), Niederleis, Biedermannsdorf (20 Häuser), Brunn (1 Haus), Perchtoldsdorf, Brühl und Weißenbach, Siebenhirten, Traiskirchen (1 Haus), Tulln und Vösendorf (2 Häuser, bereits 1591).

Der Pfarrzehent und das Grundbuch sind im 19. Jhdt. an die kaiserl. Herrschaft Laxenburg gekommen; 1841 waren es 53 Häuser und 571 Überländgrundstücke.

Die Pfarre Laxenburg besaß (1808) über 83 Joch Wald (Buchen und Föhren) im Anningergebiet, der heute noch Laxenburger Wald genannt wird und durch den ein angenehmer, meist schattiger Pfad von Gaaden nach Siegenfeld führt. Die Pfarre verkauft mit Genehmigung der k.k. n.ö. Statthalterei Waldparzellen im Ausmaße von über 64 Joch an Bürgermeister Josef Schöffel, dem Retter des Wienerwaldes, für die Stadtgemeinde Mödling um 6000 Gulden.

Ende des 17. und im 18. Jahrhundert wurden am 1. Mai ein "Ehrnsäuln Baum", Kirchen-Mai-Baum, am Fest der Allerheiligen Dreifaltigkeit und zum Kirchenweihfest Bäume aufgerichtet und zu Fronleichnam "Grüne Zier Baum" aus dem Wald (wohl aus dem Laxenburger Pfarrwald) geholt.

Außer dem Corporis Christi Umgang wurden Prozessionen geführt nach: Biedermannsdorf, Achau, Guntramsdorf, Münchendorf, Maria Lanzendorf, Gumpoldskirchen, Pfaffstätten, Trumau, Wimpassing, Maria Loretto, Vösendorf, Matzleinsdorf, Maria Hietzing, Schwechat und Simmering. Viele Prozessionen kamen von auswärts hierher, zur Kreuzerhöhung (Kirchweihfest) aus Biedermannsdorf, Achau und Guntramsdorf.
In Laxenburg gab es am Vorabend des hl. Sebastian Prozession in die Schlosskapelle, am Markustag "um die Traidfelder", in der Bittwoche nach Biedermannsdorf und nach Achau. Am 12. August "vermög Verlobnis" wird nach Mariazell gegangen.
Zwei Prozessionsfahnen spendete die k.k. priv. Großhändlerswitwe Anna Frauer geb. Zagler (1764 - 1848), die "große Wiener Wohltäterin", die auch den Kalvarienberg in Maria Lanzendorf rettete (nach ihr sind dort und in Wien Straßen benannt) und mit Laxenburger Bürgersfamilien verwandt war, die sich gerne der wohlhabenden, "guten Frauer - Tante" erinnern.

Die "Kaiserl. Hoff- und Pfarrkirchen" Laxenburg genoß immer das Wohlwollen und die Förderung des Kaiserhauses, das das Gotteshaus hier oft besuchte.

Kaiser Karl VI. und Kaiserin Elisabeth Christine wohnten 1715 dem Gottesdienst, nebeneinander sitzend im Oratorium bei. Sie kamen vom (Alten) Schloß zur Pfarrkirche angefahren.
Kaiser Franz I. Stephan und Kaiserin Maria Theresia waren 1752 beim Hochamt in der Pfarrkirche.
Kaiser Ferdinand I. spendete 1844 eine prunkvolle Monstranz, die 1846 in der Karwoche zum ersten Mal verwendet wurde.
Kaiserin Elisabeth, die in Laxenburg 1856 die Entbindung ihres zweiten Kindes hatte, besuchte davor täglich die hl. Messe in der Pfarrkirche.
1863 kommen die Majestäten Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth während des Sommeraufenthaltes an Sonn- und Feiertagen zu den Pfarrgottesdiensten.
Kaiser Karl I. und Kaiserin Zita, die 1917 und 1918 in Laxenburg wohnten, besuchten gerne die Pfarrkirche und sollen nicht nur im Oratorium, sondern in den Kirchenbänken mit den Laxenburger Gläubigen gemeinsam gekniet und gebetet haben.
1886 war Fronleichnam in Anwesenheit von Kronprinz Rudolf, Kronprinzessin Stephanie und deren Tochter, Erzherzogin Elisabeth Marie.
1896 sang Kronprinzessin Stephanie wiederholt Oratorien und Kirchenarien in unserer Kirche.
Die verwitwete Kronprinzessin und nachmalige Gräfin (Fürstin) Stephanie Lonyay spendete aus Anlaß des 70. Geburtstages von Pfarrer Anton Steiner, 1901, dem Jubliar für die Pfarrkirche Laxenburg ein kostbares Meßgewand, das aus dem Stoff des Brautkleides angefertigt wurde, das Stephanie bei ihrer Vermählung mit Kronprinz Rudolf 1881 getragen hat. Es ist mit prächtiger Silberstickerei ausgearbeitet und mit Perlen und Rauten reich besetzt. Auf der Innenseite sind Krone und Wappen mit der Beschriftung: Kronprinzessin Stephanie von Österreich-Ungarn, Prinzessin von Belgien. Es wurde zum ersten Mal am Namenstag der verblichenen Kaiserin Elisabeth, am 19. November 1901 von Pfarrer Steiner getragen.
Bereits 1895 schenkte die verwitwete Kronprinzessin anläßlich ihrer Pilgerreise ins Heilige Land den Franziskanern in Jerusalem für die Grabeskirche ein aus ihrem Brautkleid hergestelltes Meßgewand in weißer Farbe.
Erzherzogin Elisabeth Marie ließ im Atelier für Kunststickerei Zambach und Müller in Wien den heute noch in Verwendung befindlichen Baldachin ("Himmel") herstellen. Er besteht aus schwerer weißer Seidenmoiré, hat außerordentlich reiche Goldstickerei und in farbiger Stickerei auf den Seitenteilen die Embleme der Evangelisten. Auf einem Seitenteil befindet sich innen der Name der hohen Spenderin und die Jahreszahl 1902. Am Neujahrstag 1902 kam der Baldachin in Laxenburg an. Drei Wochen darauf am 23. Jänner 1902 fand die Trauung der Erzherzogin Elisabeth Marie mit dem Fürsten Otto zu Windischgraetz in der Wiener Hofburg statt.
Der fast hundert Jahre alte, gut erhaltene "Himmel" wird heute noch verwendet und zu Fronleichnam von Männern der Freiwilligen Feuerwehr in Uniform getragen.

Als 1818 Laxenburg in großer Feuersnot war, im Markte 19 und ein halbes Haus, von den Hofgebäuden die Gärtnerwohnung, die Glashäuser, das Holz- und Baumaterialien-Magazin ein Raub der Flammen wurden, geriet die Pfarrkirche in große Gefahr. Das Feuer hatte die kaiserlichen Oratorien ergriffen und diese brannten aus. Die Flammen schlugen bereits in das Innere der Kirche, wodurch die Wände und Bilder beschmutzt und beschädigt wurden. Der Kaiser half den zu Schaden gekommenen Bürgern und ließ die Kirche innen, wie den Turm übertünchen.

Pfarrer Heinrich Ott begann bald nachdem er die Pfarre Laxenburg übernommen hatte, seine Bemühungen um Freilegung der übertünchten Fresken.

Kirche1931 erfolgte dann unter Pfarrer Heinrich Ott die durchgreifende und wohl bedeutendste Renovierung der Kirche. Die Freilegung der seit mehr als 110 Jahren übertünchten Fresken erfolgte von März bis 15. September 1931. Zu diesem Zwecke war ein den ganzen Kirchenraum umfassendes Gerüst errichtet.
Die Freilegungsarbeiten führte der Malermeister Franz Mosgöller mit den Fräuleins Hedwig Steinkellner, Helene Kastner und Leopoldine Lohr (alle Laxenburg) aus. Die Restaurierung nahm der akad. Maler Hans Fischer aus Wien vor. Die Vollendung war am 3. Dez. 1931. Das Abdecken kostete 2.602,75 S, die Restaurierung 8.430,- S, zusammen 11.032,75 S, welchen Betrag Pfarrer Heinrich Ott zur Gänze aus seinen Privatmitteln bestritt.
Nach einer Kirchenrechnung von 1938 hat Pfarrer Ott aus persönlichem Eigentum 27.000,- für die Renovierung gegeben, die Gemeinde und der Patron weitere Beträge.

1929 - 1930 wurde die elektrische Beleuchtung installiert. 1930 kamen aus dem Bundesmobiliendepot durch Intervention von Reg. Rat Franz Latzel, Laxenburg, 1 Luster mit 48 Flammen, 6 Wandbeleuchtungskörper mit je 15 (auf 12 gekürzt), 2 Empire - Wandbeleuchtungskörper beim Hochaltar mit je 24 Kerzen, alle elektrische Flammen.

Pfarrer Geistl. Rat Heinrich Ott, 1872 in Troppau geboren, ab 1. Jänner 1929 bis 30. April 1948 Pfarrer in Laxenburg, gestorben 1953 in Seebenstein. Auf meine Veranlassung und in meinem Beisein wurde die Leiche des um Laxenburgs Pfarrkirche hochverdienten Pfarrers 1970 in Seebenstein exhumiert und nach Einsegnung durch Pfarrer Karl Dintner in den Priestergräbern auf dem Laxenburger Friedhof beigesetzt.

Pfarrer Msgr. Karl Dintner (geb. 1912 in Breslau, in Berlin zum Priester geweiht), seit 1. Jänner 1946 Seelsorger in Laxenburg, war stets mit großer Sorgfalt bedacht, unsere Pfarrkirche als einmaliges Kulturgut zu wahren und zu erhalten, weshalb die Kirche innen und außen wiederholt renoviert worden ist.

Die Glocken unserer Pfarrkirche, die für die Laxenburgerinnen und Laxenburger zum Gottesdienst, zum Gebet, zur Taufe, zur Hochzeit und beim Begräbnis läuten, haben ihre besondere Geschichte. Die Glocken der alten Kirche sind im Türkenkrieg 1683 verlorengegangen. Bereits ein Jahr nach Baubeginn erhielt die Kirche zwei neue Glocken, die 1694 Johann Achamer, der auch die alte Pummerin 1711 schuf, gegossen hat. 1733 und 1747 goß Johann Dival, von dem auch das Geläute der Wiener Karlskirche stammt, zwei weitere Glocken.

Drei Glocken kamen 1753 vom Alten Schloß auf den Turm der Pfarrkirche. Damals wurden die beiden Türme des Schlosses und die Glocken, die dort "von Uralten her gehangen", von Kaiserin Maria Theresia dem "allhießigen Marckht" übereignet, denn sie hatten auf dem Schloßturm "in allen Vorfallenheiten und absonderlich in Wetterszeit" geläutet.
Die Marktgemeinde Laxenburg überließ 1894 diese drei Glocken der Pfarre.
Die drei Glocken wurden 1687 von Johann Kippo v. Mühlfeld im Auftrage von Kaiser Leopold I. gegossen und zwar in Laxenburg. Das Material zum Guß kam aus dem Hauptzeughaus in Wien, bestand offenbar - wie bei der Pummerin - aus den erbeuteten türkischen Geschützen (die damals Johann Sebastian Höphffner, Stadtrichter von Wien, zu verwalten hatte und dessen Name auch auf der alten Pummerin stand) und wurde vom Militär hierher gebracht.
Unter diesen drei Glocken ist die größte 1300 kg schwer.

Im ersten Weltkrieg mußten drei Glocken abgeliefert werden und zwar 1916 zwei und eine dritte 1917, für deren Entschädigung von 2890 Kronen Anleihen gekauft worden sind. Im zweiten Weltkrieg wurden 1942 von der Reichsstelle für Metall drei Glocken vom Kirchturm abgenommen. Sie kamen 1946 zurück und wurden wieder aufgezogen.

Das harmonische Geläute unserer Laxenburger Kirchenglocken ist viel gerühmt; möge es immer dem Frieden dienen.

Die wunderschöne Pfarrkirche ist unser Gotteshaus, in dem wir dem Herrgott unsere Bitten und unseren Dank darbringen, sie ist ein Kulturgut ersten Ranges, ein Edelstein in der Krone unserer Heimat, den wir wahren wollen für uns und für kommende Geschlechter - zur Ehre Gottes und in der Liebe zu Laxenburg.

 

Herbert Rauch Höphffner +
Altbürgermeister von Laxenburg